Apfelkind Bonn - Café Story

In meiner Straße gibt es ein wunderschönes Café mit dem süßen Namen apfelkind. Seitdem ich in der Bonner Südstadt wohne, fahre ich dort fast täglich mit dem Fahrrad vorbei. Im Sommer steht die Tür in der Argelanderstraße 48 immer offen und im Winter leuchtet draußen vor dem roten Altbau heimelig eine Laterne mit Kerzenlicht. Drinnen sieht man hinter den riesigen Fenstern Kinder durch die Räume laufen, Paare beim gemütlichen Kaffee und junge Frauen mit Babys auf dem Schoß. Und wenn man Glück hat, trifft man dort auch die Besitzerin des Cafés, Christin Römer.

Im apfelkind gibt es nicht nur ein Apfelzimmer mit Spielzeug, leckere Zimtwaffeln, Kakao, Apfeltee und Apfelkuchen mit Sahne, sondern auch schöne Kinderprodukte, wie Holzstifte, Schulrucksäcke, Kinderkleidung, Stofftiere und vieles mehr. Diese wurden mit viel Liebe von kleinen Herstellern aus der Region produziert und sind im Café in limitierten Auflagen erhältlich.

An einem ruhigen Samstagmorgen im Oktober hatte ich die Gelegenheit, ein kleines Interview mit Christin zu machen und sie in ihrem apfelkind zu porträtieren ... 

Wie kam es zur Gründung vom Apfelkind?  

Meine damals kleine Tochter hat mich inspiriert. Als sie klein war, habe ich festgestellt, dass es wenig schöne Orte für Kinder gibt, sowie auch wenig schöne Kindersachen. Somit kam mir die Idee, einen Laden zu gründen, der beides vereint. Einen Ort, wo Kinder willkommen sind und sie frei spielen können und wo man gleichzeitig schöne Dinge für Kinder kaufen kann. Aber die Umsetzung hat natürlich gedauert - bis 2011. Das apfelkind war geboren und somit war mir auch die Markenanmeldung wichtig, damit das apfelkind sorgenlos wachsen kann. 

Wie bist Du auf den Namen "apfelkind" gekommen?  

Der Name apfelkind erzählt eine Geschichte. Die Vermieter besitzen tausende Apfelbäume. Und anfangs hatte ich die Idee, mein Konzept mit ihren Äpfeln zu verbinden. Ich wollte einen kinderfreundlichen Ort schaffen und eine Marke gründen, um schöne Dinge herzustellen. Somit gab mir der Ort die Idee, Äpfel und Kinder zu verbinden. So ist der Name enstanden und daraus hat sich das Logo entwickelt. Ein roter Apfel mit dem Kindergesicht. 

Mir war immer wichtig, es ist nicht das Café Apfelkind, sondern das apfelkind. Das Wort *apfelkind* -sowie einen roten Apfel - verbinde ich mit einer glücklichen und gesunden Kindheit - rote Apfelbäckchen, Natürlichkeit und Einfachheit. Viel braucht es nicht für eine schöne Kindheit. Und das soll sich auch durch mein Konzept wie ein roter Faden ziehen. Weniger ist mehr. Das apfelkind bietet Produkte aus der Region an und achtet auch darauf, dass viele Dinge Bioqualität haben. Allerdings finde ich den Biowahn sehr übertrieben. Viele Eltern verlieren den Instinkt, was ihren Kindern gut tut... auch mal eine richtige Waffel mit Zucker und eine Zuckerstange machen glücklich.

Was macht das apfelkind noch aus?  

Mit kreativen Leuten zusammenzuarbeiten und Ideen zu verwirklichen. Gemeinsam Sachen produzieren, einfach und schön. Ich hatte auch Anfragen aus China, um diese Sachen in größeren Mengen billig herstellen zu lassen, aber das will ich auf gar keinen Fall! Denn hinter dem apfelkind und den Produkten steckt eine Wertigkeit. 

Was ist das Schönste daran, Café-Besitzer zu sein?  

Kinder und Familien glücklich zu machen. Das apfelkind ist oft von der Atmosphäre noch schöner, als ich es mir je vorgestellt habe. Die Kinder spielen so schön und es ist so eine kleine Welt entstanden, in der man aus dem Alltag rauskommt. Es macht mich glücklich zu sehen, wie sich Kinder entwickeln. Viele Babys sind plötzlich zwei Jahre alt! Diese verschiedenen Entwicklungsphasen sieht man tagtäglich im apfelkind. Und man merkt auch, die Kinder fühlen sich wohl. Einige wollen garnicht wieder gehen. Es kommen aber auch viele Leute ohne Kinder, Studenten, Paare oder Touristen, die Bonn besuchen und in eine kleine KinderWelt eintauchen wollen. 

Was hättest Du so nicht erwartet?  

Dass man auf viel Widerstand stößt. Nicht nur gesellschaftlich sondern sogar auch mit dem grossen US-amerikanischen Unternehmen Apple. Drei Monate nach Eröffnung des Cafés legte Apple Widerspruch gegen die Eintragung apfelkind als Marke ein, mit der Begründung, es gäbe "eine hochgradige Verwechslungsgefahr" mit der Marke Apple. Ich habe erst gedacht, das sei ein Witz. Das war schließlich eine echt anstrengende Zeit vom Gedanken bis zur Eröffnung des Cafés und dann sowas! Da war ich total verärgert und dachte mir, "Nee, das lass ich mir doch jetzt nicht wegnehmen!"

Durch den Rechtsstreit mit Apple ist das apfelkind nicht nur deutschlandweit, sondern fast weltweit bekannt geworden. Aus Kalifornien hatte ich sogar ein Anfrage auf ein weiteres apfelkind  und auch in Österreich und in der Schweiz zeigte sich Interesse. Auf einmal wollte jeder mit mir zusammenarbeiten. Mir war es aber immer sehr wichtig, mir selber und der Idee des apfelkindes treu zu bleiben. Durch den Apple-Konflikt wurde der Fokus sehr stark auf mich als Person gerichtet, was ich garnicht wollte. Für mich sollen die Ideen des apfelkindes und die Werte, die es verkörpert, im Mittelpunkt stehen. 

Gibt es eine besondere Begegnung mit einem Gast, die Dir in Erinnerung geblieben ist?  

Einmal kam ein kleines, fünfjähriges Mädchen ins apfelkind und war ganz aufgeregt, weil sie sich auf das Apfelkind freute. Sie hat die ganze Zeit gefragt, "Wo ist denn das Apfelkind?" Sie hatte gedacht, dass die Bedienung mit der roten apfelkind-Schürze das Apfelkind ist, das dort auch wohnt!

Lieblingsecke in Deinem Café?  

Mit dem Kleinen sitze ich gerne im Spielraum. Und sonst sitze ich gerne im vorderen Bereich mit Blick auf die Kaffeemaschine. 

Was wünscht Du Dir für die Zukunft?  

Dass das apfelkind weiter so angenommen wird wie bisher und ich Zeit finde meine Anfangsideen, die leider durch den zweijährigen Rechtsstreit mit Apple blockiert wurden, umsetze und meine bisherigen Erfahrungen verwenden kann, das Konzept noch zu optimieren. Desweiteren wünsche ich mir gute Partner zu finden, die mit mir kooperieren wollen und mir bei der Umsetzung helfen. Ich würde in der Zukunft gerne noch mehr Kinderprodukte im apfelkind anbieten, Basics für Babys, für Kindergartenkinder und Schulkinder.  Sachen, die man unbedingt braucht, die nicht überflüssig sind und dazu noch schön sind. 

Am wichtigsten ist es mir jedoch das das apfelkind ein schöner entspannter Ort bleibt, an dem man die Kinder mal losgelöst vom Alltagsstress geniessen kann. Und mein Traum ist es noch weitere apfelkinder in anderen Städten wachsen zu sehen und die Welt kinderfreundlicher werden zu lassen. 

apfelkind-logo

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