Van Dyck Köln - Kaffeerösterei in Ehrenfeld - Café Story

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Das erste Mal las ich von der Van Dyck Rösterei, als ich über dieses Bild rechts auf Facebook stolperte: "Van Dyck-WM-Ticker: Wir präsentieren die Mannschaftsaufstellung der deutschen Nationalmannschaft gegen Portugal". "Coole Idee," dachte ich mir und scrollte durch die anderen Beiträge.

Hier las ich von so wundersamen Sachen, wie Milchschaum-Interpretationen und Bulletproof Coffee mit Butter und Kokosöl. Letzteres ist übrigens nicht zur Nachahmung empfohlen. Ein Blick auf die Website der Espressobar und mir war schnell klar, dass ich diesen stilvollen Laden auf jeden Fall fotografieren wollte. So ein Café hatte ich bis dato noch nie gesehen und ich bin mir sicher, Ihr auch nicht.

Und die beiden Gründer - Martin Keß, ehemaliger TV-Produzent, und Monika Linden, gestandene Gastronomikerin und Besitzerin des Café Sehnsucht nebenan - sind enge Freunde und zwei spannende Persönlichkeiten mit einem ganz besonderen Konzept: "Wir machen hier den Kaffee, den wir selber gerne trinken würden. Alle Rohkaffees, die wir hier rösten, stammen aus fairem Handel und biologischem Anbau."

Seit 2010 rösten sie in der Körnerstraße 43 direkt im Café im traditionellen Diedrich-Trommelröster. Die Qualität ihres Kaffees hat sich rumgesprochen und mittlerweile beziehen schon Cafés aus ganz Deutschland Van Dyck Kaffee.

Wie kam es zur Gründung der Van Dyck Rösterei?  Martin: Manchmal muss man das, was man sucht, aber nicht finden kann, einfach selber machen. Also jedenfalls gab es in Köln unser Konzept so noch nicht. Kaffee in hoher Qualität, konsequent aus fairem Handel und Bio-Anbau, in einem Top-Design. Moni: Und als Martin mich gefragt hat, ob ich mit ihm die Rösterei machen will, hab ich gesagt, nur unter einer Bedingung: Dass wir das in der Körnerstrasse machen, weil ich hier ja auch noch das Café Sehnsucht habe. Und als dann tatsächlich der alte Frisör-Salon hier nebenan frei wurde, haben wir losgelegt. 

Wie läufts? Moni: Sehr gut. Wir wachsen fröhlich vor uns hin. Das sieht man schon daran, wie oft der LKW, der uns den Rohkaffee bringt, mittlerweile die Körnerstrasse blockiert. Martin: Das stimmt. Vor vier Jahren haben wir angefangen mit einem halben Rösttag in der Woche, jetzt rösten wir hier jeden Tag. Immer mehr Stammkunden kaufen regelmäßig unseren Kaffee. Auch überregional. Wir haben Gastronomie-Kunden in ganz Deutschland. Und im Online Shop ist auch richtig Betrieb mittlerweile.

Lieblingsecke in Eurer Bar?  Martin: Auf jeden Fall die Bank vor dem Schaufenster. Moni: Die ist aber nicht in der Bar sondern davor. Martin: Dann muss die Frage umformuliert werden: Lieblingsecke vor Eurer Bar?

Euer momentanes Lieblingsrezept?  Moni: Unser Affogato. Es gibt im Sommer nichts Besseres. Martin: Monis Mohnkissen. Das ist Klassiker hier, das Rezept ist strenggeheim. Existiert, glaub ich, nur in Monis Kopf.

Wie fühlt es sich an, eine eigene Rösterei und Espressobar zu betreiben?  Moni: Im Vergleich zum Café Sehnsucht mit dem vollen Frühstück/Mittag/Abend-Küchenprogramm ist das hier im Van Dyck total entspannt.

Wie seid Ihr auf den Namen "Van Dyck Rösterei" gekommen?  Moni: Wir haben uns den flämischen Maler Anthonis Van Dyck als Paten ausgesucht. Der war ein Rubensschüler in Antwerpen und berühmt für seine kaffeebraunen Farbtöne, das so genannte Van Dyck-Braun. Martin: Das wissen zwar nur Kunststudenten, aber den Namen haben wir keinen Tag bereut. Der klingt amtlich und so, als ob es unseren Laden schon hundertfünfzig Jahre gibt. Moni: Ausserdem findet Martin das gut, weil er ganz oft mit Herr Van Dyck angesprochen wird.

Was ist das Schönste daran, Rösterei-Besitzer zu sein?  Moni: Auf jeden Fall die Kunden. Also die, die einem voller Überzeugung sagen, wir lieben Euren Kaffee, wir trinken gar keinen anderen mehr. Martin: Die Atmosphäre hier. Und unsere tollen Baristi, die so unfassbar guten Espresso machen.

Was hättet Ihr so nicht erwartet?  Martin: Dass wir es so schnell schaffen, uns in Köln einen guten Namen machen. 

Was wünscht Ihr Euch für die Zukunft?  Martin: Also, von mir aus kann es so bleiben wie es ist. Moni: Nein, das ist nicht gut. Es muss immer was Neues geben. Es wird langweilig, wenn sich nichts bewegt.

Wenn man ins Van Dyck kommt, merkt man, das alles stimmig ist. Die Farben, die Schriftzüge, das Minimalistische, Gradlinige, der schmale Tresen an der Wand mit den weißen Hockern. All das erzeugt eine bestimmte Atmosphäre. Kaum öffnet man die Tür zu diesem ganz besonderen Ort, wird man von einem himmlischen Kaffeeduft in Empfang genommen. Er lädt dazu ein, ganz einzutauchen in diese Atmosphäre, bei einer Tasse Espresso, über die Zeitung gebeugt oder in ein Gespräch vertieft. Hinter der großen Glasscheibe mit den Leuchtbuchstaben fühlt man sich wie ganzwoanders mit dem leisen Summen der Röstmaschine, Stimmengemurmel und Tassenklappern im Hintergrund. Ein Besuch, den man so leicht nicht vergißt.

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