Café Eliza Berlin Kreuzberg - Café Story

Eines Abends bei einem Besuch in der Hauptstadt schlenderte Martin Keß, Mitbegründer der Van Dyck Kaffeerösterei in Köln, die Sorauer Straße in Kreuzberg entlang. Dabei entdeckte er unverhofft das Café Eliza. Ob es der süße Kuchenduft war, der ihn anzog oder die gemütliche Atmosphäre drinnen, wer weiß. Er trat jedenfalls ein und setzte bei Kerzenschein wenig später seine Zeitung in Brand. Das Café Eliza blieb ihm aber bestimmt nicht nur deshalb in Erinnerung. Als ich ihn letztes Jahr für meine Fotoserie porträtierte und fragte, welches Café er mir in Berlin empfehlen könne, erwähnte er sofort das Eliza.

Und da stand ich nun Anfang Januar, bei Sturm und Regen, vor Anne Hinkel’s unverwechselbarem “Café Eliza & Lieblingsstücke” im Kreuzberger Wrangelkiez. Mit ihrem liebevoll eingerichteten Café, in dem sich auch ein kleines Ladengeschäft befindet, hat sich sich die Dekorateurin und leidenschaftliche Flohmarktgängerin einen Traum erfüllt. Schon beim Eintreten merkt man wieviel Liebe hier im Detail steckt. Die restaurierte Holztür mit dem goldenen, geschwungenen Türgriff geht auf und überall sieht man Anne’s Lieblingsstücke, zusammengetragen von Flohmärkten aus ganz Deutschland, Dänemark und den Niederlanden. Alles hier lädt ein zu einer Reise in die Vergangenheit. Wenn ganz besondere Fundstücke über die Ladentheke wandern, wird Anne auch schonmal etwas wehmütig ums Herz.

Die Entscheidung für den Laden in der Sorauer Straße 6 war eine Bauchentscheidung. Die Renovierung hat ein halbes Jahr gedauert und bei Anne’s Erzählungen wird schnell klar, wieviel Arbeit in diesem Schmuckstück steckt. Wenn man genau hinschaut, entdeckt man hier soviel Geschichte, nicht nur beim Stöbern durch den kleinen Laden nebenan. Beim Abspachteln der Decke kamen Muster aus früheren Zeiten zum Vorschein, die dem Café zusammen mit der gemütlichen Einrichtung einen ganz besonderen Charme geben. Und unter dem alten Boden fand man eine Zigarettenschachtel mit Sammelbildchen aus den 30er Jahren, eingewickelt in einer Zeitung aus dem Jahr 1936, die jetzt einrahmt einen Ehrenplatz neben der Tür hat. 

Wie kam es zur Gründung vom Café Eliza?

Am Anfang stand der eigene Kopf. Der zu viele eigene Ideen hatte und keine Lust immer nur,  die der anderen umzusetzen. Das ist mir schon während meiner Ausbildung zur Dekorateurin aufgefallen. Richtigen Unwillen hat es mir manchmal bereitet, Dinge umzusetzen, hinter denen ich nicht stehe.

Dass es also irgendwann was Eigenes sein sollte, war mir relativ früh klar. Bis es dann so richtig losging, habe ich schonmal auf unzähligen Flohmärkten die schönsten Fundstücke zusammengetragen, die nun den Laden zu dem machen, was er ist. 

Wie bist Du auf den Namen "Eliza" gekommen?

Ganz zu Beginn meiner Konzeptüberlegungen war mein Laden noch ein Blumenladen & Café. Ich bin auf die Geschichte der Eliza Doolittle aus 'My Fair Lady' gestoßen. Das arme Blumenmädchen mit der Schnodderschnauze, deren großer Wunsch es ist, vielleicht mal einen 'respektablen Blumenladen zu führen'. Das Konzept hat sich zwar verändert, der Name aber gefiel und blieb. 

Wie läufts?

Kurzum: gut! Ja ok, grade ist Januar, nicht gerade der gastronomiefreundlichste Monat, so auch bei uns. Aber: ich kann und will mich nicht beklagen, bei 'der Lage' hätte es auch wirklich in die Hose gehen können. 

Was ist das Schönste daran, Café-Besitzer zu sein?

Am Schönsten sind die Momente, wenn ich aus der Backstube in den vollbesetzten Laden komme - zufriedene Gäste die von meinem Kuchen schwärmen. Von meinem Kuchen!! 

Oder manchmal, wenn ich 'undercover' vor dem Laden sitze und wohltuende Satzfetzen von Passanten belausche ... 'so süß der Laden' ... 'der Kuchen hier ist richtig gut' Das macht sehr glücklich. 

Was hättest Du so nicht erwartet?

Zum einen hätte ich nicht gedacht, dass von den Gästen so viel zurück kommt. Ich kann mich noch an die Anfangsphase erinnern: ich war von der langen langen Renovierungs- und Bauphase dermaßen ausgebrannt, dass die so durchweg positiven Reaktionen der Gäste einfach nur wohltuend waren. Und dann hätte ich ehrlich gesagt auch nicht mit so vielen Stammgästen gerechnet. 

Was auch eher ungeplant daherkam war meine plötzliche Backleidenschaft. Ursprünglich wollte ich mich nämlich nur beliefern lassen. Hab dann aber hin und wieder doch was selbst gebacken (früher übrigens wenn's hoch kommt 2 mal im Jahr) und dann hats mich irgendwie gepackt. Jetzt stehe ich jeden Tag selbst in der Backstube und entwickel' ein immer feineres Gespür für die Zutaten. 

Wie fühlt es sich an, ein eigenes Café zu betreiben?

Also meistens toll. Ein bißchen stolz ist man natürlich auch. 

Was einem aber leider niemand abnehmen kann, ist die plötzliche Verantwortung. Und die wird manchmal auch ganz schön zur Last. 'Selbstständig - selbst und ständig' - das kann ich eigentlich schon garnicht mehr hören, aber leider ist es nun mal so. 

Druck, Stress, wenig Freizeit und Sorgen - das sind die Schattenseiten. Gott sei Dank machen das aber die Selbstverwirklichung, die große Freiheit und tolle Gäste wieder wett.

Woher beziehst Du Deinen Kaffee?

"Soledor Espresso Caffè" von Dall'Armi in der Köpenicker Straße 126.

Lieblingsecke in Deinem Café?

Auf der Bank natürlich! Neben Teddy ist's einfach am bequemsten. Außerdem kann man, wenn nötig schnell wieder hinter den Tresen verschwinden. 

Im Sommer ist natürlich die Bank vor'm Laden nicht zu toppen, ab 11.00 gibts da nämlich auch Sonne.

Dein momentanes Lieblingsrezept?

Carrot Cake.  Ooh ja, so lecker! Aber nicht nur ich, auch die Gäste lieben ihn. Manche sind sogar richtig sauer, wenn's ihn mal nicht gibt. 

Was wünscht Du Dir für die Zukunft?

Weiterhin zufriedene Gäste und gerne noch mehr davon. Dass mir die Freude am Backen erhalten bleibt und ne 40-Stunden Woche (haha) Und der Umsatz im Laden könnte sich gerne verdreifachen, damit ich jede Woche neue Ware bestellen kann. Das ist nämlich wie Weihnachten!

Was macht das Café Eliza noch aus?

Ganz klar: die Atmosphäre. Die vielen Details. Die Liebe - man spürt sie. :) Und natürlich die Kombination mit dem Laden. So entspannt kann man glaube ich fast nirgends stöbern. 

Außerdem die Lage in der schönen Sorauer Straße, die möchte nämlich erst einmal entdeckt werden, das macht Eliza immer noch zum Geheimtipp. Im Sommer kann man so entspannt und ruhig draußen unter den Bäumen verweilen, das ist im sonst so quirligen Wrangelkiez schon was wert. 

Gibt es eine besondere Begegnung mit einem Gast oder eine Anekdote, die Dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Vor einer Weile gab es mal einen schönen Bericht auf einem japanischen Blog über Eliza. An dem Tag als er veröffentlich wurde, war der Laden Innerhalb kürzester Zeit voller Japanerinnen, als hätte ein Reisebus gehalten. Das war schon sehr lustig.

Welches Café kannst Du für unser Café Portrait als nächstes empfehlen?

Das Müllerskind in der Parkstraße in Tempelhof. Pauline und Roy haben etwa einen Monat vor mir aufgemacht. Auch alles mit viel Liebe selbst gestaltet, Pauline backt auch selbst direkt im Laden hinterm Tresen. Beide hatten wie ich die gleichen Sorgen wegen der Lage. Das Müllerskind liegt auch eher versteckt in einem reinen Wohngebiet im eher spröden Tempelhof, aber es funktioniert.

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