Buena Vida Coffee Club Potsdam - Café Story

Als Patrick Berger seine Kamera auf den Tresen legte, habe ich nicht schlecht geguckt. Das ist mir bisher noch nicht passiert, dass bei meinem Fotoshooting auf einmal der Andere seine Kamera zückt und mich fotografiert. Da wurde schnell klar, neben seinem Café Buena Vida Coffee Club hat Patrick noch eine andere Leidenschaft - die Fotografie. Der professionelle Barista hat immer seine Kamera dabei, um seine schönsten Kaffeekreationen festzuhalten.

Bei der Gründung seines Cafés in Potsdam's Holländischem Viertel am Bassinplatz 7 gegenüber von der Peter-Pauls-Kirche haben ihn viele Dinge beeinflußt und inspiriert. Zum Beispiel seine Liebe zu Lateinamerika und das Thema Nachhaltigkeit. Sein Faible für Cadillacs, das ihm die Idee für das türkisfarbene Innendesign gab. Oder sein Vater, der seinen gesamten Jahresurlaub opferte, um mit ihm das Café in einem schönen, denkmalgeschützten Ziegelbau zu renovieren.

Wie kam es zur Gründung vom Buena Vida Coffee Club?

Ich arbeite bereits seit 6 Jahren im Kaffeebereich und seit 3 1/2 Jahren als professioneller Barista. Angefangen hat es mit Minijobs, oft um das Leben neben der Uni zu finanzieren. Irgendwann hatte ich dann das Glück, einen sehr passionierten Kollegen zu haben, welcher den Funken an mich weitergab. Da fing alles an und vor einem Jahr stand ich dann an dem Scheideweg: Literatur oder Kaffee. Dort habe ich auf mein Herz gehört und dann ging alles ziemlich schnell, naja ich hatte schon einen halbfertigen Businessplan, der Traum war ja schon da. Und nun stehe ich hier. 

Wie bist Du auf den Namen "Buena Vida Coffee Club" gekommen?

Zum einen habe ich eine extrem große Liebe zu Latein- und Zentralamerika aufgebaut, seit dem ich dort 2012 für 3 Monate mit dem Rucksack von Costa Rica bis nach Buenos Aires reiste und wir alle wissen, welchen Einfluss eine ganz bestimmte Band dort ausübte und noch immer ausübt. Zum Anderen bedeutet Buena Vida übersetzt „Schönes Leben“ und genau das ist es, was wir wollen. Es soll niemand unter dem was wir hier tun leiden, weder Mensch noch Natur. Wir arbeiten ausschließlich mit direkt oder zumindest fair gehandeltem Kaffee, benutzen regionale Milch und versuchen so wenig Plastik wie möglich zu verwenden. Und wenn es sein muss, dann ist es PLA, ein ökologisch abbaubares Plastik. Das gute Leben, nicht reich werden, aber mit gutem Gewissen einschlafen können und wissen, das wir mit dem was wir tun, auch Menschen auf der anderen Seite des Erdballs helfen. 

Wie läufts?

Saugut soweit!!! Klar, kleine und größere Hindernisse gibt es immer. Aber ich hab mittlerweile ein tolles Team um mich gescharrt, die mir immer den Rücken stärken und mir dann Kraft und Mut geben, wenn sie mich manchmal ein wenig verlässt, ebenso wie meine Familie dies tut. 

Wir haben tolle Stammgäste und haben es schon geschafft, nicht-Kaffee-Trinker zu missionieren. Das ist doch mal was!?

Was ist das Schönste daran, Café-Besitzer zu sein?

Ich bin frei, zu tun und zu lassen, was ich will. Wenn ich eine Idee habe oder irgendwo ein neues Rezept aufschnappe, dann probiere ich es sofort aus. 

Ich liebe den Gästekontakt, darum geht es doch eigentlich wirklich. Manche Gäste kommen täglich, ja sogar mehrmals täglich. Und zu wissen, dass man zu deren Leben gehört, sich kennenlernt, sich anfreundet, das ist eine extreme Freude und ja, auch eine riesige Ehre!

Was hättest Du so nicht erwartet?

Dass die Leute, die normalen, die zwar oft Kaffee trinken, auch außerhalb aber nicht solche Nerds sind wie wir, die Qualität und die Leidenschaft oftmals schon bei der ersten Tasse schmecken und dann sofort ein immenses Interesse an dem, was wir tun, entwickeln. 

Dein momentanes Lieblingsrezept?

Wir haben einen bombastisch guten Chai aus Australien von PranaChai. Ja, ich weiß, kein Kaffee, aber dennoch BOMBASTISCH GUT. Sonst bin ich wirklich dem Filterkaffee verfallen! Da schmeckt man die meiste Vielfalt und die ursprünglichen Aromen der Kaffeebohne am intensivsten.

Wie fühlt es sich an, ein eigenes Café zu betreiben?

Ich denke, das lässt sich am besten formulieren mit dem, was ich oft sagte, wenn mich ein Gast in den ersten Monaten fragte, wie es mir geht. „Müde, aber überglücklich.“

Lieblingsecke in Deinem Café?

Klar, hinterm Tresen an der Maschine oder an der Brewbar fühle ich mich am wohlsten! 

Was macht das Buena Vida Coffee Club noch aus?

Boah, gute Frage… die beste Schokolade mit Mini-Marshmallows der Stadt und wir haben eine Tafel auf dem Damenklo, an der die Ladies hinterlassen können, was sie noch tun wollen, bevor sie sterben. Da stehen oft wundervolle Dinge!

Gibt es eine besondere Begegnung mit einem Gast, die Dir in Erinnerung geblieben ist?

Jede Begegnung ist auf ihre Art einzigartig. Die Gäste, die zu Freunden geworden sind, das ist für mich das Besondere!

Was wünscht Du Dir für die Zukunft?

Ich hoffe einfach weiter auf den Zuspruch der Leute und darauf, dass mein Traum hier noch lange lebt und andere Menschen genau so glücklich macht, wie mich!

Welches Café kannst Du für unser Café Portrait als nächstes empfehlen?

Das Café 9 in der Markthalle Neun. Ein wundervolles Team, genau so liebevolle Hippies, wie wir es sind und das Herz am rechten Fleck!

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