Das Rosinchen - Familien-Kind-Café Berlin - Café Story

Am äußersten Rande Berlins in Karow kurz hinter Pankow gibt es ein einzigartiges Eltern-Kind-Café mit dem schönen Namen Rosinchen. Für die Eltern in der Umgebung ist dieses liebevoll eingerichtete Café in der Achillestraße 69b ein beliebter Treffpunkt geworden und mittlerweile ist das Rosinchen in ganz Berlin bekannt. Ich freue mich sehr, Euch heute die Besitzerin Stefanie Rosin vorzustellen, die mich beim Interview schwer beeindruckt hat. Als alleinerziehende Mama eines Sohnes hat sie mit 30 Jahren als Quereinsteigerin den Schritt in die Gastronomie gewagt und das sagt eigentlich schon alles.

Eins wird schnell klar, Stefanie ist ein Energiebündel mit vielen Ideen und Visionen. Gerade erst hat wieder der eigene, eingezäunte Spielegarten neben dem Café eröffnet. Im Rosinchen selber gibt es einen schönen 12m²-Spielebereich mit Rutsche und Spieleküche für die Kinder sowie einen Still- und Wickelraum mit Rückzugsmöglichkeiten und Schaukelstuhl zum Stillen. Hier wurde wirklich an alles gedacht. Es gibt Windeln, Babybrei und Lätzchen, Kindertoilettensitz, Hochstühle und nicht zu vergessen - Softeis! Jeden Monat wird das "Eiskind des Monats" ausgelost, das dann 30 Tage lang jeden Tag ein Softeis im Rosinchen abholen kann. Wer wissen möchte, was Steffi demnächst wieder plant (zum Beispiel einen riesigen Flohmarkt am Sonntag, 3. Mai 2015, mit 60 Ständen), sollte öfter mal auf der Facebook-Seite des Rosinchens vorbeischauen!

 

Wie kam es zur Gründung vom Rosinchen?

Als ich 2009 meinen Sohn bekam, traf ich mich im Elternjahr mit einer Freundin immer wieder in verschiedensten Eltern-Kind-Cafés. Dafür musste ich immer unheimlich weit durch die Stadt fahren. Sie hat mir diese Art der Gastronomie quasi nahe gebracht. Und meine Cousine sagte damals mal zu mir, dass sie in ihrem Prenzelberger Kiez genau so ein Café eröffnen möchte. Ich sagte ihr, dass ich unheimlich gerne bei ihr arbeiten wollen würde. Auf keinen Fall wollte ich zurück in meinen alten Beruf. Sie setzte diese Idee nie um. Aber in mir keimte diese Idee zu einem Plan heran.

Was hast Du vorher gemacht?

Ich habe ein technisches Handwerk erlernt & zumeißt nur mit Senioren gearbeitet. Als Hörgeräteakustikerin war ich aber kreuz unglücklich, da dieser Beruf mich nicht erfüllte und die Materie einfach nicht meinem Naturell entsprach.

Wie kamst Du auf den Namen Rosinchen?

Ich heiße Stefanie Rosin "Rosinchen" werden fast alle unsere Familienmitglieder von ihren Freunden gerufen. Es bietet sich einfach an! Und da ich ein Familien-Café plante, musste der Name im Bezug zu meiner Familie stehen. So kam das.

Wie läuft's?

Man sagt, dass 1/3 aller Existenzgründer in der Gastronomie im ersten Jahr wieder aufgeben. Und das erste Jahr war unendlich hart. Aber ich feierte die "Schallgrenze" euphorisch. Das 2. Jahr war genauso und das 3. Geschäftsjahr fraß mich fast auf. Es ist eine 6-Tage-Woche. 3 Jahre nahezu ohne Wochenenden oder Urlaub. Es gibt kein "krank". Man ist gesund oder tod. Tja, aber wenn das Kind was hat? Ich bin halt alleinerziehend. Manchmal musste ich schließen. Das mögen die Gäste gar nicht.

Ich habe 3 Jahre nur Re-Investment betrieben. Jeden Cent steckte ich wieder in den Laden! Ich baute einen Spielegarten in Eigeninitiative, ich machte einen Wanddurchbruch, vergrößerte die Küche... Immer weiter, immer schöner, immer größer . Alles selbst gebaut und jedes Kissen selbst genäht. Jede Wand gestrichen und die alten Möbel Monate lang auf Trödeln zusammen gesucht. 

Jetzt, nach fast 3,5 Jahren ist etwas passiert. Man sagt, wer 3 Jahre durchgehalten hat, ist auf dem allerbesten Weg. Und tatsächlich hat sich nahezu urplötzlich vieles geändert. Ich habe auf einmal Angestellte, die diesen Druck und diese Last etwas von mir nehmen. Ich habe Hilfe. Und dann hat man sich nun auch etabliert und einen Namen gemacht. Da ich meine Facebook-Seite aktiv - fast wie einen Blog - betreibe, kommen Gäste aus der ganzen Welt mal raus in mein kleines Nest, um uns kennen zulernen!

JETZT ist es gut! JETZT werde ich zufrieden... Glücklich war ich schon immer mit diesem Weg. Es ist eine Herzenssache. Aber es hat so viel Tränen und Angst gekostet, wie noch nichts in meinem Leben.

Was hättest Du so nicht erwartet?

Dass ich rückblickend das alles tatsächlich durch gestanden habe!

Was macht das Rosinchen so familienfreundlich?

Wir sind erstmal alle Mütter und Familienmenschen. Wir haben im Café einen großen Spielebereich für die Kinder. Und (wetterbedingt) auch einen eigenen Spielegarten mit großem Buddelkasten draußen. Ich habe Babybreie und Windeln auf der Karte. Außerdem einen Wickelraum mit einem Schaukelstuhl zum Stillen für Frauen, die sich zurück ziehen wollen. Hochstühle sind selbstverständlich und wir sind entspannter, wenns fröhlich laut und heiter bei uns zu geht. Durchs Café rasen Bobycars und Kinder nehmen wir vollwertig als kleine Gäste wahr.

Bietest Du besondere Veranstaltungen an?

Ja. Dreimal im Jahr einen ganz großen Flohmarkt mit über 60 Ständen. Dann Themenabende wie das Thema "Trotzphase" oder "1. Hilfe beim Kind" oder andere Familien-Themen. Handwerkskurse wie Häkeln lernen und Kinderbastel-Workshops.

Lieblingsecke im Rosinchen?

Hinten in der Ecke in meinem neuem Sitzbereich. Wenn ich da sitze, dann sehe ich die ganze Küche, den ganzen Laden und den ganzen Spielebereich. Ich kann da entspannen, weil mir nichts entgeht und ich ein paar Minuten Ruhe kriege, ohne etwas nicht mitzubekommen (neue Gäste oder Bestellwünsche, bzw. meine Kollegen, die Unterstützung brauchen.)

Dein momentanes Lieblingsrezept?

Der Cheesecake, den ich mitlerweile nahezu täglich in unzähligen Variationen mache. Alle lieben ihn und mir macht es einen Heidenspaß, immerzu neue Kombinationen zu probieren.

Was ist das Schönste daran, Café-Besitzer zu sein?

Der Kundenkontakt mit Menschen, die entspannt sind und einfach relaxen & schlemmen wollen! Dann die Kinder. Es ist so eine fröhliche Atmosphäre bei uns. Wenn sie einen anstrahlen, wenn man das gewünschte Eis überreicht, dann schmilzt man vor Zuneigung. Und nicht zuletzt die Materie. Ich liebe Essen! Meine Leidenschaft ist es, auch den simpelsten Dingen eine kleine Sensation zu machen. Mit weniger gebe ich mich nicht zufrieden!

Wie fühlt es sich an, ein eigenes Café zu betreiben?

Wirklich TOLL! ICH bin das Café. Mit jeder Faser lebe ich dafür, dass es aufblüht.

Da ich da wohne, wo ich arbeite und groß geworden bin, habe ich das Gefühl, ich kenne JEDEN in meiner Region. Wenn ich meine Straßen entlang gehe, bin ich nie allein. Ich bin immer in einer Gemeinschaft, alle grüßen mich, das ist ein schönes Gefühl.

Was macht das Rosinchen noch aus?

Vielleicht die persönliche Art. Wir duzen nahezu alle Gäste und begegnen uns so auf Augenhöhe. Wir lachen viel und sind immer sehr bemüht. Mir werden allerhand persönliche Schicksale erzählt, eben weil wir recht offen sind und man uns alles fragen kann. Wie oft fragt mich eine übernachtete Mutter, die sich an ihren zwei Latte Macchiato mit doppelten Espresso krallt, was sie bitte machen könnte, damit das Baby endlich schläft. Wir setzten uns mit hin und geben etwas Verständnis und schnacken viel privat mit allen.

Was wünscht Du Dir für die Zukunft?

Sicherheit. Einfach nur, dass es noch mehr zum Selbstläufer wird und ich die Zukunftsängste runterfahren kann.

Mein Sohn kommt in einem halben Jahr in die Schule und ich muss mich auf meine Angestellten verlassen können, damit ich ihm gerecht werden kann. Als ich das Café eröffnete, war er knapp 2 Jahre alt. Er wuchs in dieses Leben, kannte nie etwas anderes. Aber ich wünsche mir, dass ich bis dahin mehr "loslassen" kann und der Zwerg davon profitieren wird.

Gibt es eine besondere Begegnung mit einem Gast oder eine Anekdote, die Dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ich muss das etwas verallgemeinern. Besondere Sachen sind es, wenn jemand mir seine schlimmsten Sachen anvertraut, oder zu mir kommt, um mir das aller aller Schönste zu erzählen. Viele Geschichten werden mir unter vier Augen erzählt. Ich weine mit diesen Menschen und ich lache mit ihnen. Auch die schlimmen Ereignisse müssen manchmal einfach ausgesprochen werden. Da bin ich mit voller Empathie immer dabei, ich fühle den Schmerz wie meinen eigenen. Aber genau so ist es irre, wenn die Ehepaare nach der Trauung zu mir direkt ins das Café gefahren kommen, um mit mir anzustoßen! Es ehrt mich. Die Beziehung zwischen Gastronom und Gast ist bei uns einfach intensiver! 

 

Wenn ich grad mal keine Café-Gründer interviewe, fotografiere ich Familien ... in Berlin, Bonn und deutschlandweit!