no milk today - Veganes Café Berlin Kreuzberg - Café Story

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Im Mai hatte ich das Vergnügen, die Inhaberin des veganen Café's no milk today, Eva Rechau, kennenzulernen. In der schönen Fichtestraße 3 in Berlin Kreuzberg, einer Seitenstraße der Urbanstraße mit ganz viel Grün direkt neben einem Kinderladen, fällt einem das no milk today sofort ins Auge. Nach einigen Stationen im Ausland beschloss die ehemalige Weltenbummlerin 2013 sich in Berlin ihren langgehegten Traum von einem eigenen Café zu erfüllen. Bei einem Wettbewerb für Neugründer gewann Eva eine umfassende Unternehmensberatung und dann konnte es losgehen. Im Oktober 2013 öffnete das no milk today seine Türen und was in der Zwischenzeit alles so passiert ist, erzählt uns Eva im Interview ...     

Dieses Café Portrait wurde übrigens von Anna vom Berliner Blog Green Friday inspiriert, wo ihr viele spannende Beiträge über nachhaltiges Großstadtleben findet. Nachdem ich ihren Beitrag über das Café Eliza gelesen hatte, habe ich sie gefragt, ob sie Lust hätte auf ein gemeinsames Café Portrait. Gesagt, getan! Auf Green Friday gibt es eine Fortsetzung dieses Interviews

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Wie kam es zur Gründung vom no milk today?

Während meines Masterstudiums arbeitete ich eine Zeit lang in Peking. Ich wohnte dort mitten in einem kreativen Stadtviertel und fühlte mich sehr inspiriert durch die Gründerszene und die vielen kleinen Lädchen mit ihren innovativen Konzepten. Ich spielte damals bereits mit dem Gedanken, nach dem Studium ein eigenes Café aufzumachen. Aber da „ein Café betreiben“ nicht ein Beruf wie jeder andere ist und ich auch niemanden kannte, der so etwas macht, fühlte ich mich dieser Herausforderung vorerst nicht gewachsen. Nachdem ich aus Peking zurückkam, wusste ich aber, dass der richtige Zeitpunkt gekommen war. 

Was hast Du vorher gemacht?

Zwei Studiengänge absolviert, im Medienbereich gearbeitet, in der Welt herumgeturnt und vom eigenen Café geträumt!

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Wie bist Du auf den Namen "no milk today" gekommen? 

Ich brauchte einen Namen, der kommuniziert, dass bei uns alles vegan ist. Ich wollte einen fröhlichen, wiedererkennbaren Namen, gerne auch auf Englisch. Das Lied „no milk today“ lief in meiner Kindheit bei uns zu Hause rauf und runter. Und als ich dann so überlegte, was es für Wortspiele mit „Milch“ gibt, kam mir die Idee! Besonders schön an dem Namen finde ich die Aussage, dass es „heute mal“ keine Milch gibt und nicht „ab sofort nie mehr“ oder so was. Mir ist es wichtig, dass die Gäste sich nicht missioniert fühlen.

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Wie läuft's?

Es läuft! Die Leute aus der Nachbarschaft und auch die vegane Community haben uns von Anfang an mit offenen Armen empfangen. Wir haben schon richtig viele Stammgäste. Trotzdem überlege ich stetig, was man noch alles aus dem Laden machen kann und wie man die Gäste mit neuen Sachen begeistern kann. Es gibt auf jeden Fall noch Luft nach oben!

Was ist das Schönste daran, Café-Besitzer zu sein?

Auf jeden Fall dieses „sein eigener Chef sein“ und die Vielfalt der Aufgaben.

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Was hättest Du so nicht erwartet?

Positiv: Dass ich so häufig Komplimente für das Café und das Angebot bekomme. Für mich ist der Austausch mit den Gästen total wertvoll. Erst dadurch ist mir zum Beispiel bewusst geworden, wie außergewöhnlich es ist, dass wir alle unsere Kuchen selbst backen oder uns mit Themen wie Bio und Fair Trade beschäftigen.

Negativ: Dass kleinen ExistenzgründerInnen in Deutschland das Leben doch recht schwer gemacht wird. Man hat das Gefühl, es gibt hunderte Institutionen, die ein Stück vom Kuchen abhaben wollen. Bei uns kommt im Speziellen ja auch hinzu, dass der Staat vegane Produkte wie Sojamilch leider nicht als Grundnahrungsmittel subventioniert und wir daher mehr Steuern zahlen müssen als „herkömmliche“ Cafés. Dabei müssten vegane Produkte eigentlich sogar weniger kosten als tierische, da viel weniger Ressourcen für die Produktion verbraucht werden.

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Wie fühlt es sich an, ein eigenes Café zu betreiben?

Ganz toll! Kein Tag ist wie der andere, hier wird es nie langweilig. Es macht total Spaß zu sehen, wie die Dinge, die wir hier entwickeln, bei den Gästen ankommen. Es ist ein schönes Gefühl, Wertschätzung für die eigenen Ideen zu bekommen. Ich finde auch, dass ein Café ein sehr angenehmer Arbeitsplatz ist – wenn ich an meinem Computer zu tun habe, mische ich mich einfach an einen der Tische unter die Gäste.

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Lieblingsecke im no milk today?

Am Tisch direkt neben dem Tresen. Diesen schönen Vintage-Tisch habe ich einem anderen Cafébesitzer abgeschwatzt. Hier habe ich einen prima Überblick über das Café und eine schöne Aussicht auf unsere Sonnenterrasse.

Lieblingskaffee und Lieblingskuchen?

Am liebsten trinke ich Cappuccino und esse dazu ein Stückchen hausgemachten „Käse“kuchen. Der ist wirklich bemerkenswert lecker.

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Was wünscht Du Dir für die Zukunft?

Dass das Café weiter wächst und gedeiht. Und dass ich mir mehr Auszeiten nehmen kann. Eine reguläre 40-Stunden-Woche wäre auch mal was Schönes.

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Was macht das no milk today noch aus?

Ganz viele Gäste melden uns zurück, dass sie es hier unheimlich gemütlich finden und sie sich fühlen wie in einem großen Wohnzimmer. Mittlerweile mieten auch Gäste das Café für Feiern oder besondere Zusammenkünfte. Seit ein paar Wochen wird hier auch ein regelmäßiges Lebensberatungs-Coaching angeboten.

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Gibt es eine besondere Begegnung mit einem Gast oder eine Anekdote, die Dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ich habe eine paar Gäste, die mir inzwischen richtig ans Herz gewachsen sind. Wenn man sich ein paar Tage nicht sieht, vermisst man sich richtig. Als besondere Begegnung fällt mir ein sehr alter Herr aus Rudow ein. Er hatte von seinem Arzt erfahren, dass vegane Ernährung für Krebspatienten therapeutisch sinnvoll ist. Im Telefonbuch hatte er die Adresse des Cafés herausgesucht und das sich daraufhin mit der U-Bahn auf den Weg gemacht. Er war ein ganz lieber, dankbarer Gast. Mich hat beeindruckt, dass er sich nicht aufgegeben hat und noch in dem hohen Alter eine Ernährungsumstellung in Betracht zog.

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Welches Café kannst Du mir für unser Café Portrait als nächstes empfehlen?

„Leider“ habt Ihr mein Lieblingscafé bereits portraitiert (das wunderschöne Eliza im Wrangelkiez in Berlin Kreuzberg)!

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