Lifestyle Familienfotos vs. Homestory vs. Familienreportage: Was ist der Unterschied?

Was ist eine Homestory? Woher kommt der Begriff Lifestyle Familienfotografie? Ist das dasselbe wie natürliche, authentische Familienfotografie? Was sind dokumentarische Familienreportagen? Und was macht echte Fotos aus?

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Es herrscht Verwirrung in der Familienfotografie. Ein regelrechtes Begriffschaos.

Da ist die Rede von Homestorys und Lifestyle Familienfotos, Familienreportagen und echten Fotos. Alle denken, ist doch klar was gemeint ist, aber keiner sieht so richtig durch.

Ist doch alles das Gleiche, sagen einige. Weit gefehlt!

Hier kommt Licht ins Dunkel.

Eins ist mir wichtig zu sagen: Es gibt kein Schwarzweiß, sondern ganz viel Grau dazwischen. Nicht nur gestellte Studiofotos im Partnerlook auf der einen Seite und echte, authentische Reportagefotos auf der anderen Seite. Familienfotos im Lifestyle-Stil liegen genau dazwischen. Mit kreativen Anleitungen kann man eine entspannte Atmosphäre schaffen, in der innige, echte Momente der Nähe entstehen. Ganz ohne unnatürliches Posing.

 

Homestory

 

Wenn man in der Familienfotografie von einer Homestory redet, sagt das nichts über den Stil oder die Bildsprache des Fotografen aus, sondern bezeichnet erstmal nur den Ort des Shootings: das Zuhause (Home), wo eine Geschichte (Story) in Bildern erzählt wird. Eine Homestory kann also von einem Studiofotografen fotografiert werden ebenso wie von einer Lifestyle oder dokumentarischen Familienfotografin.

 

Lifestyle Familienfotografie

 

Inspiriert von der lifestyle family photography aus dem englischsprachigen Raum habe ich mich vor vier Jahren als Lifestyle Familienfotografin selbstständig gemacht.

Klingt etwas holprig, oder? Deshalb nutze ich diesen Begriff nicht oft, sondern rede von natürlicher, authentischer Familienfotografie, das trifft es nämlich auch. Was ist Lifestyle Fotografie überhaupt?

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1. Wie lebt Ihr? Was ist Euer Lebenstil/Lifestyle?

 

Stell' Dir vor, jemand kommt ein paar Stunden zu Euch nach Hause und fängt mit der Kamera all die zauberhaften Momente der Nähe mit Deinen Kindern ein. Wie Ihr im Bett innig kuschelt, so wie jeden Samstag morgen. Wie Ihr im Garten auf dem Trampolin hüpft, so wie jedes Wochenende. Wie Du Dein Baby auf dem Arm wiegst, wie Du es stillst, wickelst, liebst. So wie jeden Tag. All das, was Du tagtäglich fühlst und siehst, wirst Du bald auf Fotos haben.

Aber es geht nicht nur um Momente miteinander, sondern auch um das Drumherum, Euren Lebensstil. 

Wie lebt Ihr? Wie habt Ihr Euch eingerichtet, Geborgenheit und Gemütlichkeit geschaffen? Wo schläft Euer Kind? In welchen Räumen verbringt Ihr viel Zeit? Womit spielen die Kleinen? Welche Bücher lest Ihr vor?

Euch in Eurem Zuhause zu fotografieren mit all den Erinnerungen, die darin stecken, darum geht es auch. 

Das Kinderzimmer, dass Du mit viel Liebe eingerichtet hast. Die schöne Wiege aus Holz, in der Du schon als Baby gelegen hast. Die charmanten Holzmöbel, die Du auf dem Flohmarkt gefunden hast. Oder Euer Schlafzimmer, Eure Küche, Euer Flur, Euer Garten. All die Orte und Räume, in denen sich Euer Leben abspielt.

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2. Ästhetik und Harmonie

 

Es geht nicht darum, die Realität mit all ihren Facetten abzubilden. Die laufende Schnoddernase auf dem Spielplatz. Das Spielzeugchaos in der Ecke. Das benutzte Taschentuch auf der Sofalehne. Ein Foto ist immer ein Ausschnitt der Realität. Und die Lifestyle Familienfotografin entscheidet sich für den schön(st)en Ausschnitt könnte man sagen.

Sie wird also schauen, wo das Licht am schönsten ist, welche Outfits farblich gut passen und es wird auch das eine oder andere klassische Familienportrait dabei sein.

Wie aufgeräumt und geordnet man seine Fotos gerne hat, kommt auf die individuelle Bildsprache der Familienfotografin an.

Wenn Studiofotografen bei Familien zu Hause fotografieren, sieht man oft, dass diese Fotos dann fast so aussehen, wie im Studio. Alle im Partnerlook vor einer weißen Wand. Bei anderen Lifestyle Fotografinnen wiederum wird alles komplett durchgestyled. Vom Babybett mit Designerteddy bis hin zum schniecken Blumenkranz auf dem Kopf.

Ich persönlich mag es hell und minimalistisch mit einzelnen Farbtupfern. Das ist meine Bildsprache. 

Wenn auf dem Bild oben mit Papa und Baby ein Taschentusch rechts neben den Beiden gelegen hätte, hätte ich es weggenommen, bevor ich auf den Auslöser drücke. Ich räume öfter Strümpfe, Lego-Steine oder störende Farben weg. Nicht weil ich perfekt inszenierte Bilder will, darum geht es nicht.

Ich will etwas Echtes festhalten. Die innige Verbindung zwischen Dir und Deinem Kind. Und nichts soll im Foto davon ablenken. Darum geht es.

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3. Emotionale Momente des Glücks

 

Es sind die kleinen und großen Momente des Glücks und der Nähe zu den Menschen, die wir lieben, die das Leben ausmachen. Das halte ich mit meinen Fotos fest. Emotionale Momente des Glücks. Positive Gefühle. Das Lachen Deines Kindes, innige Umarmungen, fröhliche Augenblicke.

Und das, würde ich sagen, ist typisch für Lifestyle Familienfotos.

Ich möchte, dass Ihr Euch mit einem warmen Gefühl zurückerinnert, nicht mit Traurigkeit oder Unbehagen. Bei der Auswahl der Fotos entscheide ich mich deshalb vor allem für Aufnahmen mit echten, positiven Emotionen. Ab und zu wird auch mal ein Bild dabei sein, auf dem das Kleinkind gerade einen Wutanfall hat. Weil das auf seine Art auch wieder lustig ist und zum Familienalltag dazu gehört.

Die Grundstimmung des Fotos wird aber zu 90% fröhlich, innig, geborgen, nah sein.

 

4. Anleitungen

 

Wie schafft man es also, innerhalb kürzester Zeit, innige Aufnahmen voller Nähe und Liebe festzuhalten? Fotos, die das zeigen, was sich sonst nur im Rahmen absoluter Vertrautheit in der Geborgenheit des eigenen Zuhauses abspielt, wenn kein Besuch da ist? Fotos mit fröhlichen Emotionen, die gleichzeitig gut belichtet sind?

Indem man der Familie konkrete Hinweise gibt, wo man die Fotos am besten macht und wie. Der große Unterschied zur dokumentarischen Familienfotografie ist, dass die Lifestyle Fotografin die Familien sanft durch das Shooting führt. Eine Momente ergeben sich von selber aus der Situation heraus und andere werden ganz bewusst angeleitet.

Viele Familien sind sehr aufgeregt vor dem Shooting und fühlen sich unbeholfen vor der Kamera. Mit kreativen Anleitungen kann man die Familie von sich und der Kamera ablenken und eine Atmosphäre schaffen, in der sich dieses Unwohlsein ruckzuck in Luft auflöst.

Diese Aufnahme ist ein gutes Beispiel.

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Ich wollte eine fröhliche, innige Aufnahme von der Mama und ihrem Kleinsten machen, vor einem hellen Hintergrund, mit schönem Licht und so, dass der Bauch gut zu sehen war. Daher bat ich sie, sich seitlich zu mir genau dorthin zu stellen. Und dann ermunterte ich die Beiden zu einem kleinen Spiel, um sie zum Lachen zu bringen. So ist dieses Mama-Kind-Foto entstanden.

Auf so einen Moment hätte ich warten können. Mit etwas Glück hätte er sich von selber ergeben. Und vielleicht hätte ich dann sogar den Finger auf dem Auslöser gehabt. Aber warum warten?

Bei einem Shooting ergeben sich viele Alltagsmomente von selbst. Wie die Kinder mit den Legosteinen spielen, wie sie mit kleinen flinken Füßen die Treppen hochlaufen, wie alle zusammen ein Buch lesen. Aber intensive emotionale Momente der Verbundenheit, bei denen die Kinder mit den Eltern innig kuscheln oder Tränen lachen, passieren vor der Kamera selten „einfach so“.

Mit kreativen Spielen und Ideen kann man diese emotionalen Familienmomente des Miteinander bewusst anleiten. Und wenn die Familie während des Fotoshootings fröhliche Momente erlebt, werden diese Fotos für sie einen höheren Wert haben. Weil sie ein wohliges Gefühl damit verbinden. Das Familienshooting wird so zu einer einmaligen Erfahrung, an die sie sich gerne zurückerinnern.

 

Dokumentarische Familienreportagen

 

Vor einiger Zeit habe ich ab und zu auch dokumentarische Familienreportagen fotografiert (so wie diese Drillinge), ohne in das Geschehen einzugreifen. Das Shooting mit der Familie findet auch hier in ihrem eigenen Zuhause oder an einem vertrauten Ort statt und man begleitet die Familie ein Stück in ihrem Alltag. Auf dem Spielplatz oder beim Spaziergang. Beim Kuchen backen oder bei den Großeltern im Garten.

In Deutschland gibt es immer mehr Familienfotografen, die diesen dokumentarischen Ansatz bevorzugen. Die unglaublich sympathische und talentierte Chiara Doveri aus Berlin zum Beispiel. Es macht immer wieder Spaß, mich mit ihr auszutauschen über all die Kuriositäten, die der Alltag als Familienfotografin mit sich bringt. 

Geburtsreportagen werden auch immer beliebter. Dabei werden die Eltern in diesen besonderen Stunden einfühlsam von einer dokumentarischen Geburtsfotografin begleitet.

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1. Dokumentation der Realität

 

Auf Wikipedia findet man eine wunderbar treffende Beschreibung des Dokumentarfotografen: „Sein Blick richtet sich bevorzugt auf das, was ohne Aufhebens geschieht, sich im Alltagsgeschehen oder in ritualisierten Abläufen so offensichtlich unsichtbar gemacht hat, dass es der Wahrnehmung entgleitet.“

Mit einer Familienreportage möchte die Fotografin möglichst authentisch und echt die Lebensumstände einer Familie abbilden. Euer Alltag wird so gezeigt, wie er tatsächlich ist. Wild, innig, schön, aber auch herausfordernd und chaotisch. Es geht um das Festhalten der Realität ohne etwas zu beschönigen.

Wenn man sein Familienleben so einfangen lassen möchte, wie es ist, mit allem was dazu gehört - Wäschebergen, Schokoklecksen und Gemotze - dann ist eine dokumentarische Familienfotografin die richtige Wahl.

Hier zählen alle Momente.

 

2. Der Fotograf als Beobachter

 

Der große Unterschied zur Lifestyle Familienfotografie besteht darin, dass es keine Anleitungen gibt. Es wird in keiner Weise in das Geschehen eingegriffen. Der Fotograf ist reiner Beobachter der Situation und dokumentiert ein Stück des Familienalltags. Es wird nichts weggeräumt und es gibt keinen Ort in der Wohnung, wo aufgrund des Lichts oder anderer Gegebenheiten, nicht fotografiert wird. Weiterhin gibt es keine Tipps für schöne Outfits, keine Fotos auf denen alle in die Kamera lächeln, dafür aber echte Momente, die Geschichten erzählen. Eure Geschichte.

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3. Ein ganzer Tag Eures Lebens

 

Das Besondere bei Familienreportagen ist, dass sie nicht nur zwei Stunden dauern können, sondern einen halben oder sogar ganzen Tag (Day in the Life Shooting). Morgens vom Aufwachen bis abends zur Gute-Nacht-Geschichte. Bis vor ein paar Jahren war dieses Konzept in Deuschland noch völlig neu, mittlerweile bieten es aber immer mehr Fotografen an. Bei so einer langen Reportage hat man viel Zeit die vielen Zwischentöne und besonderen Momente, die sich auf natürliche Weise ergeben, mit der Kamera zu dokumentieren.  

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4. Geschichten erzählen (Storytelling)

 

Wenn man heute von einer Fotoreportage redet, dann ist in erster Linie die fotografische Berichterstattung über ein Thema für eine Zeitschrift oder ein Magazin gemeint. Dabei geht es darum, mit Reportagefotos möglichst objektiv eine Geschichte zu erzählen. Das kann zum Beispiel eine Portraitserie über hochbegabte Kinder sein oder eine Fotostrecke über den herausfordernden Alltag alleinerziehender Mütter. 

In dieser "Tradition" des Fotojournalismus könnte man sagen, steht die dokumentarische Familienreportage. Das Thema der Serie seid Ihr, als Du und Deine Familie. Und das, was Euren Alltag ausmacht.

Die Fotos, die dabei entstehen, sollen zusammen eine Geschichte erzählen. Das ist auch einer der Gründe, warum es Sinn macht, dass die Fotografin die Familie hier einen ganzen Tag begleitet. So bekommt sie noch bessere Einblicke in das Familienleben und die vielen Zwischenmomente, die Euren Alltag mit Kindern ausmachen. Und sie kann fotografisch das festhalten, was der Lifestyle Fotografin (auch aufgrund der begrenzten Zeit) verborgen bleibt.  

Das ist das Besondere der dokumentarischen Familienfotografie: Nicht das technisch perfekte Einzelfoto steht hier im Vordergrund, sondern das "große Ganze". Eine Fotostrecke, die Eure ganz individuelle Geschichte des täglichen Lebens mit Euren Kindern erzählt. 

 

Lifestyle Familienfotos vs. dokumentarische Familienreportage

 

Die große Frage: Kann man das so klar trennen? Nein.

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Einem Foto sieht man nicht immer an, ob es von einer Lifestyle oder dokumentarischen Familienfotografin gemacht wurde. Ist das Schwarzweiss-Foto mit der Mama und ihrem Baby „von selbst“ entstanden oder hat die Fotografin etwas gesagt? Das kann man auf den ersten Blick nicht genau sagen. Aber es ist auch nicht wichtig, ob ich die Mama gebeten habe, ihr Baby zu streicheln oder ob sie es von selbst gemacht hat.

Das "perfekte" Familienfoto definiert sich für mich nur über authentische Emotionen. 

Reine Lifestyle oder dokumentarische Familienshootings gibt es selten. Die meisten Shootings werden Elemente von Beidem enthalten. Kein Lifestyle Shooting wird von vorne bis hinten angeleitet. Es ergeben sich immer auch natürliche, innige Momente von selber (wie das Bild von der Mama und dem Baby oben, kurz vor dem Stillen). Und auch in der Familienreportage kann es vorkommen, dass die Fotografin eben nicht nur beobachtet, sondern eine konkrete Aktivität vorschlägt, wenn lange Zeit (zu) wenig von selbst passiert.

Natürliche, emotionale Familienfotos entstehen bei beiden Stilen. 

Aber die Methode ist eine völlig andere.

Und darüber Klarheit zu haben, ist meiner Meinung nach wichtig. Für diejenigen, die sich als Familienfotografin selbstständig machen und diejenigen, die auf der Suche nach der richtigen Familienfotografin sind.

 


 
 

 
 
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