Wie Du 2 Kinder (und mehr) in einem Foto scharf bekommst

Ich wurde in letzter Zeit öfters gefragt: „Wie bekomme ich denn 2 Kinder (oder mehr) in einem Foto scharf?“ Ein gutes Thema für einen Blogbeitrag, dachte ich mir. Hier kommt eine kurze und eine ausführliche Antwort, wie Du mit Deiner Spiegelreflexkamera (oder Systemkamera) scharfe Fotos von Kindern machst.

 Leni Moretti Photography

 

Kurze Antwort

Du stellst die Kamera auf den Modus Zeitautomatik (A oder Av) und nimmst Blende f/5. Wenn Du ganz sicher gehen willst, wählst Du Blende f/8.

Gut zu wissen: Mit diesen Kamera-Einstellungen fotografierst Du am besten draußen im Schatten. Bei Innenaufnahmen können Fotos mit Blende f/5.0 schnell verwackeln.

 

Ausführliche Antwort

Die kurze Antwort wird – schätze ich mal - in 60% der Fälle gut funktionieren. Warum?

Weil hier die (1) Position der Kinder und (2) die Lichtsituation eine Rolle spielen. Darauf gehe ich gleich genauer ein. Vorher schauen wir uns nochmal kurz die Blende an.

Zur Erinnerung: Mit der Blende regeln wir nicht nur, wie viel Licht in die Kamera kommt, sondern auch, welcher Bereich in einem Foto scharf abgebildet wird. Je kleiner die Blendenzahl, desto kleiner der Schärfebereich.

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1. Position der Kinder – Nebeneinander oder hintereinander?

 

Schauen wir uns also dieses Foto an, bei dem die Kinder hintereinander sitzen. Warum ist hier nur ein Kind scharf abgebildet?

familienfotos-zuhause-berlin.jpeg

Weißt Du die Antwort?

Weil das Foto mit einer kleinen Blendenzahl aufgenommen wurde. Und eine kleine Blendenzahl bedeutet wenig Schärfe im Foto, also ist nur ein Kind scharf. Die Ebene, die im Foto scharf abgebildet wird, befindet sich nur auf Höhe des Kindes, das vorne sitzt.

Wollen wir den Bereich, der im Foto scharf abgebildet wird, auf das 2. Kind ausdehnen, brauchen wir eine größere Blendenzahl, wie Blende f/5 oder f/8.

Was machst Du jetzt, wenn Du keine große Blendenzahl benutzen kannst, zum Beispiel drinnen mit wenig Tageslicht?

Du sorgst dafür, dass sich bei Kinder auf der gleichen Ebene befinden! Also, dass sie nebeneinander sitzen. Dann bekommst Du auch mit kleiner Blendenzahl beide Kinder (oder mehr) scharf.

Wenn ich ein Familienporträt im Freien fotografiere, sage ich zu den Familien oft: „Stellt Euch mal vor, hier ist eine Schaumlinie, wie beim Fußball. Jetzt stellt Ihr Euch alle genau an diese Schaumlinie.“ Dabei ziehe ich eine imaginäre Linie vor ihre Füße.  

So stelle ich sicher, dass alle Familienmitglieder nebeneinander auf einer Schärfeebene (= Linie) stehen bzw. sitzen und auch bei kleiner Blendenzahl (mit der ich den Hintergrund verschwimmen lasse) alle scharf abgebildet sind. 

Ich kann natürlich auch ein Familienporträt machen, bei dem die Familienmitglieder versetzt stehen, als etwas weiter vorne oder hinten. Dann muss ich aber eine größere Blendenzahl nehmen und der Hintergrund verschwimmt nicht so schön, wie bei kleiner Blendenzahl.

Bei dieser Aufnahme konnte ich mit großer Blende (= kleiner Blendenzahl) fotografieren, nämlich Blende f/2.5, weil sich die Familienmitglieder nebeneinander auf ein und derselben Schärfeebene befanden. Wenn Du genau hinschaust, siehst Du, dass alles vor dem Rand des Brunnens (die Füße) und dahinter (das Wasser und die Bäume) unscharf ist. 

volkspark-friedrichshain-maerchenbrunnen.jpeg

Was es mit der Schärfeebene und der Blende auf sich hat, habe ich im 3. Teil der Blogserie zur Manuellen Belichtung noch etwas ausführlicher erklärt.

 

2. Die Lichtsituation

 

Wenn Du mit Blende f/5 oder f/8 drinnen mehrere Kinder fotografierst, werden Deine Fotos wahrscheinlich unscharf. Das liegt daran, dass Du zu wenig Licht für Dein Foto zur Verfügung hast.

Mit einer großen Blendenzahl (= kleine Blende) kommt wenig Licht in die Kamera. Damit Dein Foto nicht zu dunkel, also unterbelichtet wird, gleicht Deine Kamera das mit einer (zu) langen Verschlusszeit aus. Das Foto wird dadurch verwackeln, entweder weil sich die Kinder bewegen oder weil sich Deine Hand beim Auslösen bewegt.

Warum das so ist, kannst Du hier nachlesen: {Teil 4} Blogserie Manuell fotografieren - Verschlusszeit

Die Lösung?

Du fotografierst drinnen mit kleiner Blendenzahl und stellst sicher, dass die Kinder nebeneinander sitzen oder stehen, ohne sich zu viel zu bewegen.

Aber auch dies ist keine Garantie, dass Fotos mit 2 und mehr Kindern drinnen scharf werden. Denn mit kleiner Blendenzahl ist es schwieriger, mit dem Autofokus richtig scharf zu stellen, vor allem bei sich bewegenden Motiven.

Um drinnen eine Gruppe von Kindern scharf abzubilden, brauchst Du viel natürliches Tageslicht und gehst am besten so nah ans Fenster wie möglich. Wenn Du aber 100%ig sichergehen willst, dass das Foto scharf wird, würde ich Dir empfehlen, Gruppenfotos lieber draußen zu machen.

 

3. Bildbeispiele aus dem Familienalltag

 

Beispiel # 1

Das rechte Foto (und das linke auch) ist mit einer kleinen Blendenzahl entstanden: Blende f/2.5. Im Schlafzimmer war so wenig Licht, dass ich keine andere Wahl hatte, als mit großer Blende zu fotografieren. Warum sind trotzdem alle Kinder scharf abgebildet? Weil sie alle auf der gleichen Schärfeebene liegen und sich (fast) nicht bewegt haben.

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Beispiel # 2

Diese Aufnahme ist auch mit Blende f/2.5 entstanden, weil ich nur den kleinen Jungen in der Mitte scharf haben wollte. Alle anderen Familienmitglieder sind unscharf. Mit Blende f/8 hätte ich hier nicht fotografieren können, weil sich die Kinder (leicht) bewegt haben und das Foto so unscharf geworden wäre, da sich nicht viel Licht im Schlafzimmer befand.

familienfotografie

Beispiel # 3

Dieses Bild ist mit Blende f/8 entstanden.  Je mehr sich die Kinder bewegen, desto ratsamer ist es, eine große Blendenzahl zu nehmen. Das klappt aber nur mit ausreichend Tageslicht! Hätte ich dieses Foto drinnen mit wenig Licht gemacht, wäre es unscharf geworden.

 Leni Moretti Photography
 

Du hast tolle Kinder und eine tolle Kamera? In meinem Online-Fotokurs für Eltern zeige ich Dir Schritt für Schritt alles, was Du für schönere Kinderbilder brauchst, und in welcher Reihenfolge. In 8 Module schauen wir uns erst die Grundlagen und das Licht an, dann den ISO, dann die Blende, die Verschlusszeit, den Manuellen Modus, den Autofokus, die Bildgestaltung und wie man seine Kinderfotos in Lightroom (noch mehr) zum Strahlen bringt. 

 

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